Aufruf zum Leben

Poetisches

Beate Kohlmeyer

Jetzt

Ist es
Satt und heiter
In mir
Der Regen
Kann mir nichts anhaben
In mir ist
Ewiges Blüh'n
In mir
Ist mein Zuhause
Das ich mir wohlig einrichte
Ich öffne mich
Ich verschließe mich
Ich sorge für mich
Ich säe aus
Ich nähre mich
Die dunklen Wolken
Berühren mich nicht
In mir ist
Ewiges Licht
Der Regen berührt mich nicht 

 

Bernd Hohmann

Du diese Welt

Im Fluss des augenblicklichen Seins

Wir haben
diese Welt
nicht erschaffen.
Aber diese Welt
hat uns
hervorgebracht.
Leben wir
in dem Bewusstsein
der Dankbarkeit,
der Hingabe
und der Leidenschaft
für diese
unsere Welt
und unser Leben?
Sind wir
auf dieser Welt
in Freude
und in Leid
verbunden mit uns
und mit allem Leben?
Wir zeigen
uns nicht,
wie wir sind.
Leben
uns nicht,
wie wir sind.
Und dennoch
sind wir eins
mit dieser Welt
und wissen
nicht warum.

 


  

Klaus Burghardt 

Das Glück

 

Wer möch' nicht immer glücklich sein

Und stets auf Wolke 7 schweben

Von früh bis spät nur Sonnenschein

Und ohne jede Sorge leben

 

Doch wird das Ideal zur Norm

Dann wird es eben auch ... normal

Der Cognac schmeckt wie einst der Korn ...

Das war's dann mit dem Ideal

 

Dies ist - klingt's auch nicht richtig gut -

Kein Grund für Gram und Traurigkeit

Wer wirklich in sich selber ruht

Versucht's mal mit: Zufriedenheit

 

 

 

Grenzen

 

Du solltest Deine Grenzen kennen
Das heißt: auch manchmal NEIN zu sagen
Und
Was wir MUSS und WICHTIG nennen
Gelegentlich zu hinterfragen

 

 

Das Geschenk

 

Jeder Tag ein Geschenk?
Jeder Tag eine Qual?
Ich hab's besser als and're:
Ich habe die Wahl
Wenn der Tag heut' beginnt
Werd' ich positiv denken
Und so mir
Und auch Dir
Einen schönen Tag schenken

 


 

Helmut von Bialy

www.psychopoesieportal.de

Ich bin

Wieso fiel Freude mir oft schwer?
Wieso lief meist Sinn ich hinterher?
Wieso nicht Ja zum Leben sagen?
Wieso so viel stets hinterfragen?
Wiesos entstammen alten Zeiten.
Müssen mich nicht mehr begleiten.
Müssen mich nicht mehr verstören.
Darf mich finden, auf mich hören.

Zwei Wörter kommen in den Sinn,
Wörter voll sanfter Kraft: „Ich bin.“
Drei weitere Wörter stellen sich ein,
Wörter der Gnade: „Ich darf sein.“
Einfach ist es, kaum zu glauben:
Dasein heißt, fünf Wörter erlauben.
Fünf Wörter nur, zwei Sätze klein.
So leicht kann Ja zum Leben sein.

Muss nicht länger suchend werden,
Brauche keinen fremden Sinn.
Hab zu meinem Glück auf Erden
Einen kleinen Satz: „Ich bin.“

Sechs Buchstaben zu leichtem Satz.
Lebendigkeit hat in ihm Platz.
Nicht sieben schwere: „Ich muss.“
Endlich ist mit Müssen Schluss.
Ich möchte mich nicht zwingen.
Möchte mich ins Leben bringen.
Möchte an die Liebe glauben.
Brauche Mut, dies zu erlauben.

Löse mich von Seins-Entwürfen.
Erlaube mir, nur sein zu dürfen.
Sinn ich nicht mehr sinnlos suche.
Auf Abruf Platz im Sein ich buche.
Spüre Herzens-Kammer. Höre hin.
Seele flüstert mir heilend: „Ich bin.“
Jauchze drei Wörter ins Sein hinein.
Bin glücklich heute: „Ich darf sein.“

Muss nicht länger suchend werden,
Brauche keinen fremden Sinn.
Hab zu meinem Glück auf Erden
Einen kleinen Satz: „Ich bin.“

Ich klingt nicht mehr egoistisch.
Zur Einmaligkeit darf ich steh‘n.
Sein ist Liebe, klar und mystisch.
Liebe selbst kann nie vergeh‘n.
Ich wünsche, du magst dir sagen:


„Auch ich erfreue mich, zu sein.“
Magst den Sprung in Liebe wagen.
Es springt sich leichter zu zwei‘n.

Musst nicht länger suchend werden,
Pfeifst auf all den fremden Sinn.
Hast zu deinem Glück auf Erden
Auch den kleinen Satz: „Ich bin.“

Bin schon lange hier geworden,
Ich lebte Leben im Liebes-Sinn.
Muss ich eines Tages fort geh‘n,
Sag ich nicht mal mehr: „Ich bin.“
Bin ich alt einst und gebrechlich,
Will ich Sein nicht mehr versteh‘n,
Nur drei kleine Wörter möcht ich,
Wörter der Gnade: „Ich darf geh‘n.“

Muss nicht länger suchend werden,
Brauche nur noch Sterbens-Sinn.
Nehme Abschied von dieser Erden,
Abschied auch vom Satz: „Ich bin.“ 

 

Mainstream-Denke?

Was im Innen geschieht, bilden außen wir ab. 

Seelen-Zustand wird zum Zustand der Welt. 

Solange keine Erfüllung im Hiersein ich hab, 

Unerfülltheits-Schatten auf alle anderen fällt. 

Lieblosigkeit, die wir im Leben erfahren, 

Macht, dass wir an Leib und Seele erstarren. 

Lässt sich innen kaum Reichtum bewahren, 

Muss man auf äußeren Wohlstand beharren.  

Wir werden in Wirtschafts-Regime geboren, 

Wo ein Sein kaum noch zählt, eher Haben. 

Geht unsere Innenwelt uns dabei verloren, 

Mitwelt- und Menschheits-Gräber wir graben.  

Was nichts einbringt, wird schlicht ignoriert. 

Markt-Passung sichert scheinbar das Leben. 

Ohne Gegenleistung nichts Gutes passiert. 

Ohne Fleiß kein Preis. So ist das hier eben. 

Preis und Leistung müssen stets stimmen. 

Dank Leistung wird Wirtschaft angetrieben. 

Auf diese Denk-Art sind Kinder zu trimmen, 

Bis vom Seele-Sein nichts nachgeblieben.

 

Sein wird zu Schein, zur Handels-Ware. 

Was nicht passte, ward passend gemacht. 

Von Zeugung über Wiege bis zur Bahre 

Wird an Erfolg und ans Leisten gedacht. 

Leistungs-Druck treibt uns in Einseitigkeit: 

Stets höher, stets schneller, stets weiter. 

Zum Innehalten bin ich nicht mehr bereit 

Mit Angst im Nacken, dass ich scheiter‘. 

Zu scheitern heißt, nicht dazu zu gehören, 

Denn Erfolglosen droht bittere Einsamkeit. 

Wer zerstört wird, wird eher Welt zerstören. 

Welt errettet, wer Seele aus Elend befreit. 

Lieber sterben als hier leistend Versagen. 

Für Medaille sie dopend Leben riskieren. 

Durchschnittlichkeit ist kaum zu ertragen. 

Eng und verbissen wir Hiersein vollführen. 

Gewinn-Sucht wird nicht länger versteckt: 

Sogar ein Christ darf Zinsen eintreiben. 

Betrügerei wird hinterlistig ausgeheckt, 

Um bei Wirtschafts-Gewinnern zu bleiben.  

Ob Steuer-Hinterzieher, ob Großkonzern. 

Mitmensch samt Natur wird hintergangen. 

Wer ehrlich ist, lebt auf Gutmensch-Stern. 

Mit denen ist wirklich nichts anzufangen. 

Markt heißt: Der Stärkere wird überleben. 

Konkurrenz-Kampf lässt Soziales kaum zu. 

Da wir Geld vom Mittel zum Zweck erheben, 

Ist Miteinander dumm und ökonomisch tabu.  

Geld löst sich von Tausch-Funktionen ab, 

Gerinnt, der Funktion entzogen, zu Kapital. 

Dank Kapital ich Recht auf Gewinne hab. 

Was mit Mittellosen wird, wird dabei egal.  

Wen schert es, wie es der Mitwelt geht? 

Profit-Gier richtet die Zukunft zugrunde. 

Entscheidend, wo Kurs der Aktien steht. 

Spekulant nutzt die Gunst jeder Sekunde. 

Immer weniger haben mehr und mehr. 

Wer Kapital hat, hat viel zu entscheiden. 

Die Kassen der Staaten sind eher leer, 

Während die Armen immer mehr leiden.  

Als Laden-Hüter gerät man sozial in Not. 

Bin ich arm, bin ich nicht mehr attraktiv. 

Wer nicht nachgefragt wird, ist lebend tot. 

Per Profit-Sucht geraten Werte uns schief.

In Werte-Welt unter Markt-Wirtschafts-Joch 

Geht es nur um Nutzen und Wirksamkeit. 

Wo Seele sein sollte, klafft schaurig Loch. 

Für Liebes-Erleben bleibt uns wenig Zeit. 

Was nützt es mir, dass ich dich kenne? 

Was bringt mir tiefer Kontakt zu dir ein? 

Bist du mir nichts nütze, ich mich trenne. 

Auch Bezogenheit muss profitabel sein. 

Partnerschaft wird zu Tausch-Geschäft: 

Du gibst mir Sex. Ich gebe dir Sicherheit. 

Erfolgsverwöhntes Idol wird nachgeäfft. 

Zu Herzens-Kontakt ist man kaum bereit. 

Sich verwirklichen wird zu Selbst-Marketing. 

Mein Sein wird zum Auktions-Gegenstand. 

Mein Wert ist Markt-Preis, den ich erbring. 

Markt-Wirtschaft hat mich fest in der Hand. 

Erziele ich mit Dummheit besseren Preis, 

Weswegen mich um Weisheit bemühen? 

Auf Bildungs-Mühe ich nachhaltig scheiß. 

Sollen andere Welt dem Dreck entziehen. 

Das, was man nicht gut verkaufen kann, 

Wird vor sich und vor Mitwelt verborgen. 

Schwächen schaut man sich ungern an. 

Stärke zu beweisen, muss stets vorgeh’n.  

Kind wird zum Repräsentations-Objekt: 

Seht nur, wie früh es das Köpfchen hebt. 

Was nicht normenkonform, wird versteckt, 

Soll froh sein, da es verborgen noch lebt. 

Zum hörigen Pack-Esel gerät uns Leib, 

Voll Drogen gepumpt, falls störrisch er. 

Schindluder mit den Gefühlen ich treib. 

Angst samt Zweifel gehört nicht hier her. 

Scham, Zartheit, Sanftmut, Nachgiebigkeit: 

Solch Erleben wird ins Abseits uns führen. 

Wer nicht vorwärts strebt, ist nicht gescheit. 

Wann wirst auch du das endlich kapieren? 

Mitgefühl und Menschen-Freundlichkeit: 

Kannst du sagen, wer das uns bezahlt? 

Wer berechnet, ist nicht mehr hilfsbereit. 

Wo ist der Künstler, der aus Liebe malt? 

 

Tatsachen sind von uns Menschen getan. 

Wer nicht lieben mag, vermeidet zu leben. 

Befreien wir uns von Wachstums-Wahn. 

Nach Entfaltung der Seelen wir streben.  

Dem Leben entgegen die Sinne ziehen, 

Sich mit Körper und Mitwelt verbindend, 

Nicht Angst vor Verletzlichkeit wir fliehen, 

Neuen Zugang zur Lebendigkeit findend.  

Aufbruch zur Verbindung liebender Seelen. 

Lasst uns gemeinsam Welt transformieren. 

Befreite Menschen verantwortlich wählen, 

Leben autonom in Gemeinschaft zu führen.


 

Uta Berg

Ein Leben

 

Ein Leben,
ein stetes Sterben und Werden,
ein Weben
von Bewusstsein auf Erden.
Ein Tag,
ein steter Ausdruck von Sein,
"ich wag'",
sagt dein Herzsonnenschein.

Ein Augenblick,
wie unendlich
dauert deine Schöpfung.

 

 

Flüchtig 

 

Flüchtig
in die Welt geschenkt,
schoßgelöst
zu erwachen –

ein Lächeln
sucht
sinnlich berührt
Unendliches
in der Welt.

Und nackt
im Zwielicht
findet sich die Seele,
ihr Atemkleid weht
in zärtlicher Schönheit.

Und nackt
im Morgenrot
schenkt sich die Seele,
ihr Hinaufdehnen küsst
mit sanftem Innertief

Dich.

Und nackt
im Ewigen
tanzt die liebend geliebte Seele
hier und jetzt
in entfaltete Nächte

und wirgefunden
hindurch.

 

Das Innengleiche

 

Sucht eine Seele
berührend und nah und weit
das Zarte und das Weiche,
so ersehnt sie zu fühlen und zu staunen
das Innengleiche
sich spiegelnd in allen Dingen.
Solche Seele
nährt und schenkt
im Sichverbinden
und entfaltet in Kairosringen,
was von irgendwo sie lenkt:
Liebe.

 


 

Feuervogel 


http://www.reimemaschine.de/

https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/

Aufruf zum Leben

 

Und wieder hat mich der Morgen im Griff
und er schleudert mich in den Samstag
an dem ich eigentlich nichts zu tun habe
außer ein paar Sachen zu erledigen und zu leben

Und ich dachte an Euch
an die , mit den schönen Worten
an die, die ihre Gefühle niederschreiben
und kein Hehl daraus machen, wenn man sie entdeckt

Hab mich hingesetzt und losgeschrieben
um Euch zu grüßen
und Euch aufzurufen
das gefälligst nicht bleiben zu lassen
weil es uns gut tut
uns selbst zu entdecken
und unsere Sinnlichkeit, unsere Freude, unser Lebenslust
und wenn es sein muß
auch unseren Haß
zu befreien
zu teilen
und uns besser zu fühlen
und sei es auch nur für einen Augenblick.

 


Dr. Joachim Galuska

Wir sind nicht länger Getriebene unseres Schicksals sein.
Wir sind angekommen.
Wir sind aufgestanden an der Stelle, an der wir uns stellen.
Wir nehmen unser Leben in Würde an.
Wir nehmen die Verantwortung für das Leben an.
Wir können und wollen uns nicht vorenthalten.
Wir wissen, dass wir gebraucht werden.
Wir werden in Demut und in Freiheit unser
gemeinsames Schicksal gestalten.

 

 

Ich und Du und Wir sind lebendige Wesen

 

In jeder tieferen Begegnung können wir das Leben spüren,
wie es gerade anwesend ist,
wie es sich entfaltet,
wie es tanzt und lacht und weint und schimpft,
wie es Angst hat, einsam ist und sich verliert,
wie es sich wiederfindet, aufwacht und der Liebe folgt,
wie es in jedem Lebewesen geboren wird und aufwächst,
wie es Schönes und Schreckliches erlebt,
leidet und glücklich ist und irgendwann wieder stirbt,
wie es als Ich lebt, als Wir und als alles, was lebt,
wie es zu allem Leben dazugehört, zu allem,
was atmet, was ein Herz hat, das schlägt,
und was sein Dasein fühlt.
Wir sind Leben inmitten von Leben.

 

 

Das Leben sucht und findet

 

Es sucht Glück, und es findet Glück.
Es sucht Frieden, und es findet Frieden.
Es sucht Begegnung, und es findet Andere.
Es sucht Stille und findet Stille.
Es sucht Bewegung, und es bewegt sich.
Es sucht Liebe und findet Liebe.
Es sucht Großes, und es findet Großes.
Es sucht das, was es überschreitet,
und es findet das, was es überschreitet.
Es verliert sich und schläft ein und wacht wieder auf.
Es wird krank und leidet,
und manchmal heilt es und manchmal nicht.
Es wird geboren und wächst und stirbt.
Irgendwann


Khalil Gibran

 

Das Leben ist älter als alles, das lebt; wie auch das Schöne strahlte, ehe die Schönheit
auf Erden geboren ward,
und wie auch das Wahre Wahrheit war, ehe es ausgesprochen.

Das Leben singt in unserem Schweigen und träumt in unserem Schlummer. Selbst wenn
wir besiegt und tot sind, triumphiert das Leben.
Und wenn wir weinen, lächelt das Leben
dem Tag und es ist frei, selbst wenn wir in Ketten gehen.
Oft finden wir das Leben bitter,
doch nur, wenn wir selbst von Bitterkeit umhüllt sind.
Und wir halten es für leer und
unergiebig, doch nur, wenn die Seele zu öden Orten zieht und das Herz berauscht ist
von sich selbst.

Das Leben ist tief, prachtvoll und weit entfernt zugleich; und obwohl euer Blick nur seine
Füße fassen kann, ist es euch nah;
und obwohl nur der Hauch eures Atems sein Herz
erreicht,
streift der Schatten eures Schattens sein Gesicht, und der Widerhall eures
schwächsten Schreies wird Frühling und Herbst in seiner Brust.

Das Leben ist verhüllt und verborgen, wie auch euer größeres Selbst verborgen und
verhüllt ist.
Aber wenn das Leben spricht, werden alle Winde Worte; und wenn es von
Neuem spricht, so wird das Lächeln auf euren Lippen und die Tränen in eurem Aug'
zum Wort.
Wenn es singt, hören es die Tauben und sind ergriffen; und wenn es sich
langsam nähert, sehen es die Blinden und sind entzückt und folgen ihm verwundert
und erstaunt.

 


Rainer Maria Rilke

 

Du musst das Leben nicht verstehen

 

Du musst das Leben nicht verstehen,
dann wird es werden wie ein Fest.
Und lass dir jeden Tag geschehen
so wie ein Kind im Weitergehen von jedem Wehen
sich viele Blüten schenken lässt.

Sie aufzusammeln und zu sparen,
das kommt dem Kind nicht in den Sinn.
Es löst sie leise aus den Haaren,
drin sie so gern gefangen waren,
und hält den lieben jungen Jahren
nach neuen seine Hände hin.

 

 

Vor lauter Lauschen und Staunen sei still

 

Vor lauter Lauschen und Staunen sei still,
du mein tieftiefes Leben;
dass du weisst, was der Wind dir will,
eh noch die Birken beben.

Und wenn dir einmal das Schweigen sprach,
lass deine Sinne besiegen.
Jedem Hauche gieb dich, gieb nach,
er wird dich lieben und wiegen.

Und dann meine Seele sei weit, sei weit,
dass dir das Leben gelinge,
breite dich wie ein Feierkleid
über die sinnenden Dinge.

 

 

Gott spricht zu jedem nur, eh er ihn macht

 

Gott spricht zu jedem nur, eh er ihn macht,
dann geht er schweigend mit ihm aus der Nacht.
Aber die Worte, eh jeder beginnt,
diese wolkigen Worte, sind:

Von deinen Sinnen hinausgesandt,
geh bis an deiner Sehnsucht Rand;
gieb mir Gewand.
Hinter den Dingen wachse als Brand,
dass ihre Schatten, ausgespannt,
immer mich ganz bedecken.

Lass dir Alles geschehn: Schönheit und Schrecken.
Man muss nur gehn: Kein Gefühl ist das fernste.
Lass dich von mir nicht trennen.
Nah ist das Land,
das sie das Leben nennen.

Du wirst es erkennen
an seinem Ernste.

Gieb mir die Hand.